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Ruediger Beckmann — Beyond Vanity

Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich denke, daß ich auf Ruediger Beckmann das erste  Mal auf kwerfeldein gestoßen bin, wo ein spannendes Interview mit ihm über die “social” media veröffentlicht war.
Ziemlich schnell war ich auf seinem flickr stream pixelwelten.
Da waren Portraitaufnahmen so, daß einem die Mütze wegflog.

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Seitdem sind diese Bilder in mir.
In Momenten der fotographischen Zweifel, von den es reichlich gibt, kehre ich zu ihnen zurück und ich höre mich ein :”Jou! das isses . . . ” sagen.

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Ich habe lange überlegt, was an diesen Bildern so anders ist, was mich so in ihrem Bann hält. Ich habe es nicht formulieren können bis mir eine Passage von Max Frisch einfiel, in der er über die Wahrheit in der Sprache schreibt. Diese Passage gilt ebenso für die Bildsprache und erklärt mir meine Faszination:

“Was wichtig ist: das Unsagbare, das Weiße zwischen den Worten, und immer reden diese Worte von den Nebensachen, die wir eigentlich nicht meinen. Unser Anliegen, das eigentliche, läßt sich bestenfalls umschreiben, und das heißt ganz wörtlich: man schreibt darum herum. Man umstellt es. Man gibt Aussagen, die nie unser eigentliches Erlebnis enthalten, das unsagbar bleibt; sie können es nur umgrenzen, möglichst nahe und genau, und das Eigentliche, das Unsagbare, erscheint bestenfalls als Spannung zwischen diesen Aussagen. -

Unser Streben geht vermutlich dahin, alles auszusprechen, was sagbar ist; die Sprache ist wie ein Meißel, der alles weghaut, was nicht Geheimnis ist, und alles Sagen bedeutet ein Entfernen. Es dürfte uns insofern nicht erschrecken, daß alles, was einmal zum Wort wird, einer gewissen Leere anheimfällt. Man sagt, was nicht das Leben ist. Man sagt es um des Lebens willen. Wie der Bildhauer, wenn er den Meißel führt, arbeitet die Sprache, indem sie die Leere, das Sagbare, vortreibt gegen das Geheimnis, gegen das Lebendige. Immer besteht die Gefahr, daß man das Geheim­nis zerschlägt, und ebenso die andere Gefahr, daß man vorzeitig aufhört, daß man es einen Klumpen sein läßt, daß man das Ge­heimnis nicht stellt, nicht faßt, nicht befreit von allem, was im­mer noch sagbar wäre, kurzum, daß man nicht vordringt zu sei­ner letzten Oberfläche.

Diese Oberfläche alles letztlich Sagbaren, die eins sein müßte mit der Oberfläche des Geheimnisses, diese stofflose Oberflä­che, die es nur für den Geist gibt und nicht in der Natur, wo es auch keine Linie gibt zwischen Berg und Himmel, vielleicht ist es das, was man die Form nennt?

Eine Art von tönender Grenze —.”
Max Frisch 1946

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Inzwischen besitze ich auch das Buch: “Beyond Vanity”. Die Textpasssagen dort, die den kreativen Prozess der Portraitsitzungen beschreiben, sind mir ebenso wichtig wie die Bilder und immer wieder höre ich beim Lesen ein: “ja das stimmt!” in mir.

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In guten Momenten ist mir dieser schöpferische Prozeß, der mich die ganzen technischen Herausforderungen einer fotographischen Sitzung vergessen läßt, ebenso gelungen. In manchen . . . .

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Mein Ziel ist es nicht, Beckmanns Fotographien zu kopieren. Was sollte dabei Gutes herauskommen? Mein Ziel, ist Bilder von ähnlicher Intensität in ähnlichem Geiste zu schaffen.

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Die Originale gäbe es vom 11.-18. Oktober 2013 in Köln bei der Galerie Frei zu sehen. Ich denke, ich werde dort sein.

Es wäre noch viel über Komposition, Lichtgebung, Farben,Wahl des Filmmaterials und der Kameras und Optiken zu sagen und zu fragen. Aber das wär erstens Gequatsche unter Fotographen und zweitens habe ich Hunger und Milch und Brot sind alle.
Ich muß einkaufen gehen bevor der Dorfladen zumacht.

Was fühlt man also, wenn man Bilder von jemandem sieht, der dort ist, wo man gerne hin möchte?
Man fühlt: Chapeau! Hut ab Ruediger Beckmann!

Alle Bilder in diesem Beitrag von Ruediger Beckmann. Copyright by Ruediger Beckmann.
Veröffentlichung  nur hier mit Genehmigung des Fotographen

 

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